Gesundheit


Das brachycephale Syndrom

 

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von Jan Durr Grebe (Erstveröffentlichung in The French Bullytin, Vol. 7 No. 3, Sommer 1989)

Wie oft haben Sie schon von einer Französischen Bulldogge gehört, die jung, plötzlich und ohne Vorwarnung starb und deren Tod allgemein auf eine „Herzattacke“ zurückgeführt wurde?

Solche Todesfälle, die meist dann auftreten, wenn der Hund sich aufregt, anstrengt oder überhitzt hat, sind gerade deshalb so schrecklich, weil sie so unerwartet kommen. Zwar stimmt es, dass bei diesen Hunden das Herz zu schlagen aufhört; aber könnte das nicht auch die Folge einer anderen Ursache sein? Eine mögliche Ursache für solche Todesfälle kann ein akuter Atemwegkollaps sein, der seinerseits die Folge einer langwierigen Atemwegsblockade ist, wie wir sie nur all zu oft bei Französischen Bulldoggen mit ihren engen Nasenlöchern, zu langen Gaumensegeln und dem durch starke Faltenbildung und die Wulstzunge beengten Nasen- und Rachenraum finden.

Um dieses brachycephale (brachycephal = kurzschädelig) Syndrom zu verstehen (unter Syndrom versteht man eine reihe von Symptomen, die alle zusammen ein Krankheitsbild oder eine Abnormität charakterisieren), müssen wir zunächst betrachten, wie der Atemmechanismus normalerweise funktioniert und verstehen, wie er bei kurzschnäuzigen Hunden behindert ist. Wie wir Menschen, so ziehen auch Hunde durch die Erzeugung von Unterdruck Luft in die Lunge ein. Anstatt aktiv (durch Überdruck) Luft einzupumpen (wie Frösche es tun, indem sie den Boden ihrer Mundhöhle auf und ab bewegen) weiten Hunde (wie wir) den Brustkorb (Rippen nach außen, Zwerchfell nach unten) und erzeugen so einen Unterdruck. Dieser gegenüber dem Umgebungsdruck niedrigere Druck im Brustkorb wird ausgeglichen, indem Luft von oben durch die Nasenlöcher, Nasenhöhle, Rachenhöhle, Kehlkopf und Luftröhre in die Lungenäste und Bronchien einströmt.

Dadurch wird die Lunge aufgeblasen und der druck in der Brusthöhle gleicht sich dem Außendruck an. Das Problem bei der Französischen Bulldogge ist, dass während sie einatmet ein Unterdruck im gesamten Atemwegssystem herrscht. Dies führt zu einem Saugeffekt an den Wänden aller oben genannten Atemwegstrukturen. Je kräftiger der Hund einatmet, desto stärker sind auch die Kräfte, die die Wände der Atemwege nach innen ziehen, sie also verengen. Egal, ob der Hund so schwer atmet, weil er erhitzt ist, getobt oder sich aufgeregt hat, der Zug an den Wänden der Atemwege ist der gleiche. Die meisten Besitzer kurzschnäuziger Rassen wissen nur zu gut, wie leicht ihre Hunde sich überhitzen. Das ist darauf zurückzuführen, dass der größte Teil der überschüssigen Körperwärme durch die Lunge abgegeben wird und dass jede Beeinträchtigung der Atmung den Wärmeabgabeprozess stört.

Aber nur wenige wissen, dass allein schon eine schwere Atmung - egal aus welchem Grund und auch ohne Überhitzung - einen progressiven (fortschreitenden) Atemwegskollaps verursachen und einen Hund mit chronischer Atemwegsblockade ernsthaft schwächen oder sogar zu seinem Tod führen kann.