Geschichte

Die Geschichte der Französischen Bulldogge

Jede Geschichte des Hundes ist im Grunde genommen eine Geschichte der Menschheit - und diese ist zwischen den Zeilen zu lesen - denn eng verbunden ist der Hund mit den Menschen, der ihn von jeher gehalten, teils zu Nutz und Gebrauch, teils zu Spiel und Vergnügen, je nach den Zeiten, welche der Mensch durchlebt und geschaffen.


E. Trenkle,
aus "Die Französische Bulldogge"
1937


Die Quellen, aus denen man die Entstehung der Französischen Bulldogge ableiten kann, sind leider außerordentlich spärlich. Frankreich hat der kleinen Bulldogge zwar den Namen gegeben und doch hat sie ihren Ursprung in England. Als Urahne aller europäischen Doggenarten nennt man den Mastiff, welcher wiederum von der großen Dogge des Altertums, dem Molosserhund, abstammen soll.
Auf die Entstehung der Bulldogge und deren blutige, wie auch traurigen Geschichte möchte ich hier nicht eingehen. Als im Jahr 1835 in England Hundekämpfe per Gesetz abgeschafft waren, verlor der Bulldog seine Existenz. Die Nachfrage ging zurück und somit auch deren Zucht.

Den Überlieferungen nach, entstanden zu dieser Zeit in der Gegend um Nottingham, neue, kleine Bulldoggenarten, welche durch das einkreuzen von Terriern entstanden. Es waren bulldoggenartige Hunde in Miniaturformat. Diese wurden überwiegend von den Webern dieser Gegend gezüchtet und erstmals 1836 der Londoner Öffentlichkeit vorgestellt.
Durch die zunehmende Industrialisierung Englands und der daraus entstandenen Wirtschaftskrise, während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, verließen viele der Nottinghamer Weber und Spitzenklöppler ihre Heimat und wanderten nach Frankreich aus. Sie nahmen natürlich ihre kleinen Bulldoggen mit und setzten deren Zucht in der neuen Heimat fort. Teils aus Liebhaberei, teils zur Aufstockung ihres Einkommens. Da sie aber mit der Partnerwahl ihrer Miniaturbulldoggen weniger wählerisch waren, als ihre Züchterkollegen in England, entstanden Kreuzungen mit Möpsen, Griffons, Terriern und deren Mischlingen. Diese Hunde wurden in Frankreich unter den Namen "Terrier-Boule" bekannt. Dies waren kleine Hunde mit einem festen muskulösen Körperbau, gestutzten Ohren und gestutzter Rute und wogen um die 10 bis 15 kg. Sie hatten im Gesicht schon etwas, dass an unsere Französische Bulldogge denken ließ. Es waren die Fleischhauer, die diese Hunde liebten und schätzen. Man sah sie zu dieser Zeit überall auf ihren Fleischerkarren tronen und in ihren Geschäften.
Das Terrierblut wurde ihnen vermutlich eingekreuzt, um ihnen Rattenfängerinstinkte zuzuführen. Auf den ersten Ausstellungen in Europa wurde auch eine Rattenfängerprüfung für diese Hunde durchgeführt. Es gab also neben einer Schönheitsschau, auch eine Arbeitsprüfung. Denn das waren sie vor allem - Arbeitstiere!
Rückschlüsse auf das Einkreuzen der Terrier lassen sich an Hand der Fellfarben "black and tan" ziehen. Damals waren diese Farben noch sehr häufig gewesen und konnten nur durch das einkreuzen der Terrier entstanden sein. Man kann auch weiter annehmen, dass von den Terriern die Lebhaftigkeit kommt, welche für die Französische Bulldogge so typisch ist.
Die kurze gedrehte Rute, sowie die vorstehenden Augen stammen vermutlich vom Mops, der damals auch mit eingekreuzt wurde.

In England wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Bulldoggenzucht professioneller betrieben, als in Frankreich. In Islington gab es im Jahr 1863 bereits 20-30 Meldungungen der Miniatur Bulldoggen. Diese wurden in zwei Klassen aufgeteilt. Einer über 10 kg und einer unter 10 kg. Den leichteren Schlag nannten die Engländer liebevoll "Toy Bulldog". Ihre Blütezeit erlebte der Toy Bulldog zwischen 1860 und 1910. Es waren vor allem die englischen Ladys, die die kleinen Bulldoggen liebten und vergötterten. Auch im Ausland wurde der Toy Bulldog immer beliebter - insbesondere in Frankreich. Sie wurde überwiegend von Liebhabern und Züchtern aus Paris erworben, welche dann den Toy Bulldog mit ihren Terrier-Boules kreuzten.
Erst um das Jahr 1880 gründete sich in Paris der erste "Bouledogue Club français". Erste richtige Schau-Hunde zu ziehen und sie zu registrieren begann man ab 1885. Durch Ausstellungen wurden diese Hunde in die Öffentlichkeit gebracht, wo sie die Gunst der oberen Klasse gewannen. So unter anderem auch die von Eduard VII von England.
Georges Phelps, ein Amerikaner, war bei einem Aufenthalt in Frankreich im Jahr 1886 so sehr von diesen Hunden begeistert, dass er sich vornahm einige dieser Exenplare mit nach Amerika zu nehmen. Er holte sich Rat bei dem englischen Richter Mr. Krehl, welcher jedes Jahr in Paris richtete, sowie bei der Société Centrale Canine. Mit der Begeisterung des Anfängers begann er die Vorstädte von Paris nach Französischen Bulldoggen (welche zu dieser Zeit jedoch noch nicht so offiziel genannt wurden) zu durchsuchen. Es gelang ihm die Hunde Ninette und Rabot für 50 Dollar zu erwerben. Das waren beides Hunde mit besten Stehohren. Dies war jedoch noch die Zeit, in der englische Richter das Rosenohr bevorzugten. Das Stehohr galt in ihren Augen als unverzeihlicher Fehler. Es waren die Amerikaner, die dem aufrechtgetragenen Ohr den Vorzug gaben und in Frankreich nach den besten Hunden mit aufrecht stehenden Ohren suchten.

Im Jahre 1888 hat der Bouledogue Club français ihre erste Rassebeschreibung der Französischen Bulldogge veröffentlicht. Mr. Krehl, welcher zur damaligen Zeit in Bulldogkreisen eine Persönlichkeit war, hat diese französischen Hunde im Jahr 1893 das erste mal auf der berühmten Kennel Club Show der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie die englischen Toy Bulldog Züchter auf diese Hunde reagiert haben müssen zeigt am besten das Zitat einer Toy-Züchterin aus der Kennel-Gazette jener Tage: "Das ist nichts anderes als die Wiedergeburt unserer Toys. Aber man kann nicht sagen der Aufenthalt in Paris hätte ihnen gut getan. Außer einem perfekten französischen Akzent und einwandfreien Manieren haben sie nichts als Fehler mitgebracht; z. B. diese abscheulichen Fledermausohren."
Es brach ein erbitterter Kleinkrieg zwischen den Liebhabern und Züchtern der Rassen aus. Um sich von den französischen Boules zu distanzieren, wurde in England im Jahr 1894 der Standard der Toy Bulldogs festgelegt.

Die amerikanischen Züchter hatten es sich derweilen zur Aufgabe gemacht, die neue aus Frankreich stamende Rasse zu pflegen, sie zu verbessern und ihre Anzahl zu vergrößern. Mit Ausdauer und systematisch begannen sie ihre Zucht, so dass sie recht bald große Erfolge verzeichneten. Ihr Hauptaugenmerk lag dabei auf das Fledermausohr, welches sie für das hauptsächlichste Merkmal der Französischen Bulldogge war.
Als bei einer Ausstellung in New York im Jahre 1896, durch den englischen Richter Paper die Tulpenohren bevorzugt wurden, wurde der Schrei nach einen Standard lauter. Da man, als man sich an die Société Centrale Canine wandte, zur Antwort bekam: "Die Ohren sollen so klein wie möglich sein, fein und weich beim Anrühren und niederfallend. Nach dem fallenden Ohr hat das halb aufrecht getragene Ohr den Vorzug, das vollkommende Stehohr und das Fledermausohr sind schlecht.", gründete man im Jahr 1897 den "French-Bulldog-Club of Amerika". Von hieraus übte man auf die Société Centrale Canine druck aus, so das diese im Verlauf des Jahres 1898 dem Bouledogue Club Français vorschlug, sich ihr anzuschließen. Der Club änderte seinen Namen in "Club du Bouledogue Français" und brachte neue Satzungen heraus. Durch die Anerkennung der Société Centrale Canine wurden auch neue, zum Teil geänderte Rassekennzeichen herausgegeben. Ziel war es, das Fledermausohr, als das einzig richtige zu erheben. Die Französische Bulldogge als Rasse war geboren.

Im Jahre 1902 gründete sich schließlich der "French Bulldog Club of England", was unter anderem dazu führte, dass drei Jahre später die Rasse auch vom Kennel Club anerkannt und in ihre Register aufgenommen wurde. Jedoch, um den Züchtern der englischen Bulldoggen nicht zu nahe zu treten, wurde sie in England nur unter der französischen Schreibweise "Bouledogue Français" geführt.
Im Jahr drauf, also 1906, wurde durch den Kennel Club als oberste Instanz der jahrelange Streit beendet. Es wurde beschlossen den Toy Bulldogs und die Französische Bulldogge total zu trennen und keine Kreuzungen untereinander mehr zu dulden. Dies bedeutete jedoch auch das Todesurteil für den Toy Bulldog. Die Zahl ihrer Liebhaber nahm zugunsten der Französischen Bulldogge stetig ab.

In den Jahren 1911/12 wurde dann endlich ein internationaler Rassestandard aufgestellt, welcher mit den anderen Ländern durchgesprochen wurde. Der Kennel Club beschloss nun auch, die Rasse unter ihrer englischen Schreibweise in ihren Registern zu führen.